Erläuterungen zur Analyse

Die exemplarische Analyse dient nicht nur der weiteren Erforschung der literarischen Sappho-Rezeption im deutschsprachigen Raum, sondern auch der Prüfung eines bislang unerprobten methodologischen Zugangs zu literarischen Rezeptionsgeschichten in den Digital Humanities.

Methodisches Vorgehen

Alle analysierten Rezeptionszeugnisse wurden demselben Korpus entnommen: dem Band Sappho. Texte zur literarischen Rezeption im deutschsprachigen Raum (2023), der die Rezeptionszeugnisse – abgesehen von den Texten von Huber, Schrott und Schwarz – in der Form ihres Erstdrucks vorlegt.

Analysiert wurden alle in Andreas Bagordos zweisprachiger Ausgabe auf Basis der textkritischen Edition von Eva-Maria Voigt (Patmos 2009) enthaltenen Sappho-Fragmente (vgl. das Menü »Texte« > »Sappho-Fragmente«) sowie 99 exemplarische Rezeptionszeugnisse, die typische Rezeptionsmuster veranschaulichen. Dazu zählen etwa die wiederkehrende Thematisierung der Sappho-Phaon-Legende und die Darstellung Sapphos als große Dichterin oder als homoerotisch Begehrende. Berücksichtigt wurden Texte verschiedener Gattungen (Lyrik, Prosa, Drama sowie Mischformen) und unterschiedlicher Bekanntheit – nicht nur Werke kanonisierter Autor_innen, sondern auch solche weniger bekannter Schreibender, vom 16. bis zum 21. Jahrhundert.

Berücksichtigt wurden Motive, Themen, Stoffe, rhetorische Topoi, Figuren sowie Personen-, Orts- und Werkreferenzen und Zitate. Auf der Grundlage dieser Phänomene wurden intertextuelle Beziehungen zwischen den Rezeptionszeugnissen und den Sappho-Fragmenten sowie zwischen den Rezeptionszeugnissen untereinander festgestellt.

Der Workflow verlief in zwei Schritten: Zunächst wurden die Phänomene in XML-Dateien annotiert. Die XML-Dateien wurden anschließend mithilfe eigens entwickelter Python-Skripte in RDF-Tripel überführt. Zur Repräsentation der Daten wurde eine Ontologie entwickelt, die auf bestehenden Ontologien (CIDOC CRM, LRMoo und INTRO) basiert und zusätzlich mit diversen Alignments mit anderen Ontologien ausgestattet ist. Wiederkehrende Rezeptionsphänomene sind in einem SKOS-Vokabular definiert.

Die resultierenden Daten sind in einem GitHub-Repositorium offen zugänglich und können zudem über ein SPARQL-Interface auf dieser Webseite abgefragt werden. Exemplarische statistische Auswertungen finden sich hier; alle Daten lassen sich auch über eine Netzwerkvisualisierung erkunden.

Analysierte Rezeptionszeugnisse

Statistische Übersicht zu den Rezeptionszeugnissen